Anleitung für die Klopftherapie

(Photo by Aiony Haust on Unsplash)
ANLEITUNG

Klopftherapie – So funktioniert es

Eine vorbeugende, sehr einfache Möglichkeit, das Stressempfinden zu mindern oder sogar aufzulösen, ist die Klopftherapie – auch Klopfakupressur genannt.

Erklärung zur Klopfakupressur

Die Klopfakupressur ist eine sehr wirkungsvolle, einfache und sanfte Behandlungsmethode, die eigenständig durchgeführt werden kann. Sie wurde von dem Psychologen Roger Callahan ins Leben gerufen und von Gary Craig und Fred Gallo unter dem Namen „Emotional Freedom Technique“ (EFT) weiterentwickelt. Sie zählt zu den lösungsorientierten Kurzzeittherapien und kann schon nach ein paar Minuten erstaunliche Ergebnisse erzielen.

Basierend auf der Annahme, dass alle Stress- und negativen Emotionen durch die Unterbrechung beziehungsweise Störung des körpereigenen Energieflusses entstanden sind, versucht man, diese Störung im Energiesystem zu reduzieren beziehungsweise aufzulösen. Dies geschieht, indem man bestimmte Meridian-Punkte mit den Fingern beklopft oder massiert, während man sich gleichzeitig das Problem vorstellt. An einem bestimmten Punkt wird zudem noch eine Augenbewegung durchgeführt, die sonst in der Traumatherapie angewandt wird.

Dieser Mix aus verschiedenen Behandlungsmethoden ist so einfach und effizient, dass viele es nicht glauben wollen. Dabei ist die Wirksamkeit doch sehr logisch:

  1. Indem Sie sich auf ein bestimmtes Problem konzentrieren, gehen Sie der Sache auf den Grund und formulieren es klar  „Ich habe Angst davor/vor….“. Somit akzeptieren Sie, dass Sie dieses Problem haben. Das ist wichtig, denn viele Menschen leugnen ihre Probleme und können sie daher nicht lösen.
  2. Das Beklopfen der Meridiane hat in der chinesischen Medizin Tradition und löst viele Blockaden.
  3. Die Augenbewegung, „Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)“ genannt, verzeichnet als psychotraumatologische Behandlungsmethode Erfolge insbesondere bei traumatisierten Patienten. Bitte verwechseln Sie es nicht mit Hypnose. Bei der EMDR-Therapie bleiben Sie in einem wachen Bewusstseinszustand. Sie synchronisieren lediglich Ihre beiden Hirnhälften, lösen eine vorliegende Störung im Energiesystem und verarbeiten das Trauma, die Angst oder die stressauslösenden Situationen.
  4. Wenn Sie währenddessen noch eine weitere geistige Tätigkeit vornehmen, zum Beispiel rückwärts zählen, rechnen oder ein Lied singen, löst sich die Blockade und Sie werden sich bald besser fühlen.

Es empfiehlt sich, diese Therapie in einem Seminar zu erlernen, mit einem erfahrenen Coach/Lehrer.

Bei schweren Störungen oder sehr traumatischen Situationen sollten Sie diese Übung unbedingt mit einem Therapeuten oder Psychologen durchführen, auf keinen Fall allein!

Meine Erfahrungen mit der Klopfakupressur:

Ich habe diese Klopfakupressur oder auch Klopftechnik in einem Antistress-Seminar kennengelernt und sofort eine meiner Ängste mindern können. Bis dahin plagte mich eine leichte Spinnenphobie: beim Erblicken größerer Spinnen spürte ich eine körperliche Reaktion, es zog sich sozusagen alles zusammen und ich gruselte mich vor diesen Spinnentieren. Meistens schrie ich kurz auf, wenn ich eine etwas größere Spinne in meiner Nähe sah. Gegen diese Reaktion konnte ich nichts tun, es kam aus meinem Innersten.

Im Seminar malte ich mir aus, wie eine dicke schwarze Spinne an der Wand säße. Schon allein bei dieser Vorstellung stellten sich mir die Nackenhaare auf. Dann begann ich mit der Klopftherapie: zuerst mit dem Erkennen und Akzeptieren des Problems: „ich akzeptiere mich, obwohl ich Angst vor Spinnen habe“. (Klopf, klopf, klopf gegen die Handkante – insgesamt ca. 10- bis 15-mal).

Als Nächstes folgte die Kopfakupressur, erst an der Augenbraue (noch schauderte es mich bei der Vorstellung der dicken Spinne), dann an der Schläfe, dann unter dem Auge. Als ich unter der Nase klopfte, spürte ich schon, dass sich das körperliche Grauen auflöste und eine gewisse Gelassenheit eintrat. Bei dem Klopfen am Kinn sagte mir dann eine innerliche Stimme: „Das ist doch eigentlich ein harmloses Tierchen. Wozu sollte ich mich davor noch grausen?“

Diese Gelassenheit habe ich bis heute beibehalten. Ich würde zwar keine Vogelspinne auf die Hand nehmen, habe aber seither keine körperliche Reaktion mehr, wenn ich größere Spinnen sehe. Und wer weiß? Wenn ich diese Therapie öfter anwende, werden vielleicht selbst Vogelspinnen zu „niedlichen Tieren?“

Auch bei anderen Ängsten habe ich diese Therapie inzwischen angewandt und es hat mir sehr geholfen.

Dem Problem auf die Spur kommen

Manchmal erzählen Patienten: „Ich habe ein Problem, aber ich weiß nicht welches. Ich kann es nicht benennen. Ich fühle mich einfach nicht wohl, bekomme Herzklopfen, habe Kopfschmerzen, bin antriebslos oder ähnliches. Was kann ich in einem solchen Fall tun?“ Das ist eine gute Frage.

Wenn Sie selbst dahinterkommen möchten, wo das Problem genau liegt, probieren Sie es mit den W-Fragen:

Wann tritt das Problem auf? Was ist dann? Was ist daran so schlimm? Wieso? An wem könnte es liegen? Was wäre, wenn das Problem nicht wäre? Was würde eine liebe Freundin/ein lieber Freund sagen, welches Problem dahinterstecken könnte? Welchen Gewinn hat meine Seele davon, dass sie dieses Problem hat? Bringt das Problem vielleicht auch irgendeinen Vorteil? Und so weiter.

Empfehlenswert ist, dies mit einem Coach zu erörtern. Es gibt bestimmt auch in Ihrer Nähe einen Coach/eine Coachin, die Ihnen zielgerichtet weiterhelfen kann. Normalerweise liegt ein Stundensatz für eine Privatperson bei ca. 60–80 Euro. Sie können einzelne Stunden buchen. Es ist keine Therapie, sondern hat den Ansatz, Ihnen kurzzeitig bei einem Problem zu helfen.

So funktioniert die Klopftherapie:

Schritt 1

  1. Zunächst überlegen Sie, welches Problem Sie mit der Klopftherapie behandeln möchten, zum Beispiel „die Angst, den Job nicht gut zu machen“.
  2. Bewerten Sie in einer Skala von 1 bis 10, wie stark Sie dieses Problem belastet. Dies dient dazu, im Nachhinein einen Vergleich zu haben, wie viel Ihnen die Klopftherapie gebracht hat.
  3. Nun sorgen Sie dafür, dass Sie das Problem anerkennen beziehungsweise sich selbst inklusive dieses Problems akzeptieren:
  4. Ich akzeptiere mich voll und ganz, auch wenn ich … (Problem benennen, z. B. „…Angst habe, meinen Job nicht gut zu machen“).
  5. währenddessen beklopfen Sie leicht, mit ein oder zwei Fingern, Ihre Handkante, bis Sie fühlen, dass es reicht.

Schritt 2

Nun beginnen Sie, sich Ihr Problem vorzustellen und gleichzeitig die verschiedenen Meridiane zu beklopfen.

Klopfpunkte Gesicht und Oberkörper
  1. Augenbrauenpunkt innen
  2. an der Schläfe
  3. Unter dem Auge
  4. unter der Nase
  5. am Kinn
  6. Unter dem Arm, ca. 10 cm unter der Achsel
Klopfpunkte Hand

7. Kleinfingerpunkt (innere Seite, neben dem Nagelbett)
8. Mittelfingerpunkt (innere Seite, neben dem Nagelbett)
9. Zeigefingerpunkt (innere Seite, neben dem Nagelbett)
10. Daumenpunkt (äußere Seite, neben dem Nagelbett)

  • Schritt 3

11. beklopfen Sie jetzt bitte den Handrückenpunkt (zwischen Klein- und Ringfinger),

  • stellen sich Ihr Problem vor,
  • singen währenddessen
  • und rechnen oder zählen rückwärts
  • und bewegen dabei die Augen im Kreis im Uhrzeigersinn.
  • Dann ändern Sie die Richtung und drehen die Augen entgegen des Uhrzeigersinns

(ja, alles zusammen ist kompliziert, aber das soll es auch sein)!

Schritt 4

12. Ganz zum Schluss reiben Sie bitte Ihren „wunden Punkt“.
Sie finden diese Vertiefung auf dem Brustkorb, unterhalb des Schlüsselbeins.
Bitte nur sanft reiben. Dabei sagen Sie sich noch einmal die Anfangsworte: „Ich akzeptiere mich, auch wenn ich …“

Schritt 5

Bitte tief durchatmen und nachfühlen. Wie geht es Ihnen? Was haben Sie gefühlt? Auf welchem Punkt der Skala befindet sich Ihr Problem jetzt? Inwieweit belastet es Sie noch?

Sie können diese Klopfakupressur gerne mehrmals hintereinander durchführen, auch mit verschiedenen Problemen. Sie werden feststellen, bei jedem Mal löst sich etwas mehr.

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