Was löst wirklich ein Burnout aus – ist es tatsächlich zu viel Arbeit?

Zwickmühle

Das ist eine Frage, die häufig gestellt wird. Die Antwort darauf lautet:

Burnout entsteht durch einen Konflikt, der vermeintlich nicht gelöst werden kann.

Die Betroffenen fühlen sich in einer

Z W I C K M Ü H L E

gefangen.

In den vergangenen Jahren habe ich viele Menschen mit Burnout kennengelernt. Dabei stellte sich letztendlich fast immer heraus, dass sie sich in einer Zwickmühle befanden. Sie fühlten sich zerrissen, zwischen den eigenen Bedürfnissen oder Ansprüchen und den Anforderungen anderer. In vielen Fällen hatten die Burnout-Patienten das Bedürfnis nach mehr Ruhe – entweder, um mehr Zeit für sich selbst zu haben oder für ihre Lieben. Demgegenüber stand aber die Forderung von anderen Personen – entweder der Familie oder dem Arbeitgeber – mehr zu arbeiten, mehr leisten zu müssen.

Durch solche Beispiele entstand die viel verbreitete Meinung, dass Burnout durch zu viel Arbeit entstünde, was nur bedingt richtig ist. Denn es gibt auch andere Gründe, durch die man in einen Konflikt geraten kann:

Etwa wenn Menschen sich dazu gezwungen fühlen, rechtliche Auflagen zu missachten oder gegen ihre eigenen Werte zu handeln.

Ein paar Beispiele, die solche Zwickmühlen deutlich machen:

Frau mit Kindern und zu pflegende Person

Nehmen wir das Beispiel einer Frau mit Kindern, deren großes Bedürfnis es ist, endlich mal mehr Zeit für sich zu haben. Doch als „gute Mutter“ geht ihr die Familie immer vor. Eigene Bedürfnisse stellt sie weit zurück. Die kann sie sich ja bald erfüllen, wenn die Kinder endlich alle in der Schule sind, hofft sie. Doch dann wird auch noch die Schwiegermutter pflegebedürftig und der Ehemann holt sie in den Haushalt. Die Hoffnung, bald mehr Zeit für sich zu haben, schwindet damit gänzlich. Auch wenn sie es selbst nicht wahr haben möchte, das Bedürfnis nagt weiterhin an ihr und möchte erfüllt werden. Damit es nicht überhand nimmt, muss sie es immer wieder unterdrücken, denn sie möchte nach wie vor ihren Rollen gerecht werden – nicht nur als „gute Mutter“ sondern nun auch als „gute Schwiegertochter und helfende Ehefrau“.

Führungskraft soll Druck ausüben

Ein anderes Beispiel ist eine Führungskraft – egal ob weiblich oder männlich – die dazu angehalten wird, mehr Druck auf das Team auszuüben, für das sie zuständig ist. Die Mitarbeiter sollen mehr leisten und wer das nicht macht, soll aus fadenscheinigen Gründen entlassen werden. Der Führungskraft geht das völlig gegen den eigenen Gerechtigkeitssinn. Sie fühlt sich in einer Zwickmühle: wenn sie sich auflehnt, wird sich das negativ auf die eigene Karriere auswirken. Wenn sie es nicht tut, wird sie gegen ihren eigenen Willen handeln müssen. Sie wählt den zweiten Weg, ist aber nach wie vor wütend auf die Unternehmensleitung, die so etwas verlangt. Eigentlich würde sie denen am liebsten die Meinung sagen, dass solch ein Verhalten nicht richtig und auch nicht angemessen sei. Doch dieses Gefühl unterdrückt sie, um die eigene Karriere nicht zu gefährden.

Unhaltbare Arbeitsbedingungen in Corona-Zeiten

Als weiteres Beispiel sind viele Menschen zu nennen, die in Corona-Zeiten unter Bedingungen arbeiten müssen, mit denen sie nicht einverstanden sind:

Kindergärtner*Innen, Lehrer*Innen, Arzthelfer*Innen oder Pflegekräfte deren Vorgesetzte/Institutionen ihnen keine geeignete Schutzausrüstung zur Verfügung stellen. Angestellte/Arbeiter*Innen, deren Führungskräfte sich nicht an die AHA-Regeln halten. In Seniorenheimen: Pflegepersonal und deren Führungskräfte, die daran verzweifeln, dass es ihnen nicht gelingt, das Virus aus ihrem Heim fern zu halten.

Sie alle sind wütend auf andere Menschen, die sowohl sie selbst als auch andere in Gefahr bringen, wo es doch auch anders ginge.

In diesen drei Beispielen wird entweder gegen ein eigenes Bedürfnis oder ein Gerechtigkeitsempfinden gehandelt oder sogar gegen rechtliche Auflagen verstoßen.

Welche krankmachenden Auswirkungen haben solche Situationen?

Wenn Menschen massiv unter solchen Bedingungen leiden, sich aber nicht trauen, dies klar und deutlich zu fordern oder wenn die Verursachenden ihre Haltung trotzdem nicht ändern, sammelt sich unterdrückte Wut.

Das ist ungesund. Bedürfnisse und Gefühle über eine längere Zeit zu unterdrücken kostet sehr viel Kraft. Und wie bei einem Schnellkochtopf oder bei einem Vulkan steigt der Druck allmählich und entlädt sich früher oder später.

Bei manchen explodiert es in Form von Aggressionen, bei anderen tritt es als Angst- und Panikattacken zutage. Wiederum andere brechen zusammen und/oder entwickeln Depressionen. Sie können dann gar nichts mehr fühlen, weil die Seele alle anderen Gefühle mit unterdrückt, auch die der Freude.

Was kann man tun, damit solche Situationen nicht zu einem Burnout, zu einer Depression oder zu Angst- und Panikattacken führen?

Manchmal ist es schwierig, die Faktoren auszumachen, die zu einer Zwickmühle führen.

Zunächst wäre es wichtig, die Situation überhaupt erst einmal zu erkennen. Das liest sich so einfach, ist aber viel schwieriger als es scheint. In den meisten Fällen handelt es sich nämlich um ein Bedürfnis, dass sich die Betroffenen nicht eingestehen dürfen oder wollen.

Ist es möglich, dem vorzubeugen?

Eigentlich ja. Wenn man sich dieser Situation bewusst ist und Möglichkeiten findet, die eigenen Gefühle auszudrücken – dann ist schon viel getan. Als nächstes gilt es, die Bedürfnisse entsprechend zu platzieren, bei den Menschen, die sie auslösen – also im ersten Fall bei dem Ehemann, im zweiten Fall bei der Unternehmensleitung und im dritten Fall bei vielen Personen (Besucher*Innen, unvorsichtige Mitarbeiter*Innen, Politiker*Innen).

Im ersten Fall könnte die Frau ihrem Mann sagen, wie es ist:

„Schon seit längerer Zeit habe ich das Bedürfnis, etwas mehr Zeit für mich zu haben, um….. zu machen. Ich wollte eine gute Mutter und Ehefrau sein und so viel Zeit wie möglich für die Familie geben. Doch das Bedürfnis in mir wurde zunehmend größer. Ich hatte gehofft, wenn die Kinder alle in die Schule gingen, könnte ich mir wenigstens dann und dann ein wenig Zeit gönnen. Darauf habe ich schon hin gefiebert.

Die Entscheidung, Deine Mutter zu pflegen trage ich voll mit. Auch ich möchte nicht, dass sie in ein Seniorenheim geht. Allerdings macht mich das gleichzeitig sehr traurig, weil damit meine Hoffnungen geplatzt sind. Das macht mir schwer zu schaffen.“

Zusammen könnten beide nun nach einer Lösung suchen.

Was, wenn die Ursprungssituation nicht erkannt wird?

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